Goldegg 2019

erstellt am 22. Februar 2019

Der Blick zurück ist der Blick nach vorn

Das Programm des diesjährigen 36. Chorseminars in Goldegg gestaltete sich bewährt vielfältig. Geografische und musikalische Ursprünge der Teilnehmer und Referenten waren ebenso bunt durchmischt wie Interessen, Fähigkeiten und Herangehensweisen. Der studierte Chorleiter saß neben dem frisch-gefangenen Amateursänger, der „Neuling“ tanzte mit dem „Wiederholungstäter“ - Jeder und Jede konnte genießen, lernen und sich einbringen.

Sonntag Abend ging's los: Die Vormittage und Abende waren den Gesamtplena und getrennten Einheiten für Chorsänger und Chorleiter gewidmet. Geleitet wurden diese abwechselnd von den beiden Hauptreferenten Rahela Duric und Kari Turunen. Beide konnten uns jeden Tag neue Aspekte der Chorarbeit näherbringen. So kontrastierend ihre Wesen und Methoden auf den ersten Blick erschienen, so gut ergänzten sie sich auch.

Rahela Duric stammt aus Slowenien und studierte Chor- und Orchesterdirigieren an der Kunstuniversität Graz, wo sie momentan auch als Assistenz-Dozentin arbeitet. Zudem leitet sie dort mehrere Chöre. Rahela brachte viel Schwung und Ehrgeiz mit. Sie begeisterte alle mit ihrer direkten, fröhlichen Art und erarbeitete mit uns vorwiegend Pop-Literatur und Stücke aus aller Welt.

Kari Turunen aus Finnland studierte an der Sibelius Akademie und der Universität in Helsinki, wo er sich besonders mit der Aufführungspraxis für Alte Musik befasste. Er leitet die Finnish Choral Directors’ Association und ist musikalischer Leiter von fünf Chören und Ensembles. Karis Fokus am Seminar lag auf Alter Musik und besonderen finnischen Stücken. In der intuitiven Probenarbeit, die ihm zu Eigen ist, inspirierte er uns mühelos zum Musizieren auf höchstem Niveau.

Parallel zu den Plenums-Proben und Nachmittags hatten alle „Dirigierwütigen“ die Möglichkeit, in Privatissima mit einem der Referenten die eigene Technik oder ein bestimmtes Musikstück genauer unter die Lupe zu nehmen. An den Nachmittagen konnte man auch verschiedene Workshops besuchen: Interessierte „Newbies“ wurden von Hannah Klinger in die Grundbegriffe des Dirigierens eingewiesen, während Gerrit Stadlbauer mit der Methode der relativen Solmisation nicht nur Ton-Treppen zum Klingen brachte und ebenfalls Privatissima anbot. Rafaela Seywald bot im Ensemble für junge Stimmen einigen Unter-30-Jährigen spannende Stücke und attraktive Probenarbeit in kleiner Besetzung.

In täglich wechselnden Mittags-Workshops konnte man sich Linedance (Franz Schubert) und Volkslied (Margit Zlattinger) näherbringen lassen. Unterrichtende bekamen von Stephanie Mandl (Percussion) und Johanna Meindl (Klassik für Kids) neuen Input. Ebenso wurden wieder heißbegehrte Stimmbildungseinheiten bei Kevin Lomes angeboten. Die Kinder und Jugendlichen, die noch nicht am Hauptseminar teilnahmen, wurden während der Proben bewährt souverän und liebevoll von Felix Schubert betreut und konnten jeden Tag im Kinderensemble für ab 9-Jährige mit Johannes Forster Chorluft schnuppern.

Wer dem breitgefächerten Angebot an Workshops wiederstehen konnte, ging Ski fahren, langlaufen oder Volleyball spielen, holte nötigen Schlaf nach oder drehte eine Runde um den See. Die Vielfalt an Unterkünften hatte für Jeden und Jede das Richtige zu bieten: Während die einen im Hotel zur Post Vollpension genossen, versorgten sich die anderen in privaten Unterkünften selbst. Die jüngere Generation war überwiegend im Jungscharturm untergebracht und wurde zum Teil von unseren alten Bekannten Rahman und Arsalan bekocht, die auch abends mit uns das (Volks-)Tanzbein schwangen und nachmittags Volleyball spielten.

Beim Abschlusskonzert am Freitag Abend fand das Seminar einen besonders gelungenen, runden Abschluss. Im anschließenden Sketch der „Türmlinge“ gelang wieder einmal eine humoristische Revue der vergangenen Woche. Bei herzlichen Dankesworten und gemütlichem Beisammensein wurde uns bewusst: Wieder ist eine Woche voll gemeinsamer Musik und intensivem Austausch vorübergegangen. Neue Freundschaften sind entstanden, alte gefestigt worden, Kontakte wurden geknüpft und Netzwerke weitergesponnen. Jetzt müssen wir wieder ein ganzes Jahr auf's Goldegg-Feeling warten...

Unter der altbewährten, jedoch Jahr um Jahr mehr geschätzten „Schirmherrschaft“ unserer Seminar-„Mama“ Ute Buchner, die mit ihren Helferchen diese Woche in Goldegg so perfekt zu organisieren und so herzlich zu betreuen weiß wie keine sonst, war das Seminar wieder ein voller Erfolg und gefühlt so rund wie noch nie. Auch anfängliche Zweifler waren bald bekehrt ohne es recht zu merken und bei der herzlichen Verabschiedung hieß es unweigerlich: „Bis nächstes Jahr!“

Weitere Fotos siehe-->

Text: Marie Damisch und Jonathan Meyns

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